Informelles

Krankhafte Angst, wie überwinden?

29. Januar 2018

Angst gehört dazu! Angst ist in der Evolution eine lebenswichtige Emotion, sie warnt und beschützt uns vor bedrohlichen Situationen. Sie lässt uns überleben. 
Das tut sie, indem sie über das vegetative Nervensystem Reaktionen des Körpers auslöst:
Das Herz schlägt schneller, die Muskulatur zieht sich zusammen und wird reflexbereiter, die Pupillen verengen sich, um den Blick besser zu fokussieren, die Atmung beschleunigt sich, es bricht Schweiß aus. Wir werden bereit zu Flucht oder Kampf. 
Der Mensch ist lernfähig, oder zumindest sollte er es sein 😉 . Das hilft uns Angst zu erlernen.
Warum spreche ich jetzt davon, dass das hilfreich ist? Es wäre ja fatal, wenn wir Angst immer neu empfinden müssten. Eine durchlebte gefährliche Situation schult uns für die nächste. Nach einer gefährlichen Situation empfinden wir Angst beim nächsten Mal davor! Und wir können Angst von anderen Menschen lernen, indem wir sie und ihre Angst beobachten.
J.Haaker, Neurowissenschaftler am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf mit Sonderforschungsbereich „Furcht, Angst und Angsterkrankung“ formuliert es so: „Angst ist ansteckend“.
Es wurde nachgewiesen, dass „erlernte“ Angst wirkliche Angst ist. Körpereigene Schmerzmittel (Opioide) spielen eine Schlüsselrolle bei diesem Lernprozess.
Das eröffnet Heilmethoden bei Angststörungen.
Angststörung bezeichnet eine Erkrankung, bei der sich die empfundene Angst ohne Grund bis ins Unerträgliche steigern kann. Angst hat hier ihre eigentliche Aufgabe, uns zu beschützen, völlig verloren.
Mit Depressionen zählen Angststörungen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Etwa 10 Millionen Deutsche leiden darunter. Zur Zeit setzt sich die Therapie aus Medikamenten und Psychotherapie zusammen, also aus Antidepressiva und Beruhigungsmitteln sowie kognitive Psychotherapie und Konfrontation mit den Auslösern.
B. Wild, Neurologin und Psychiaterin und Chefärztin der Flieder Tagesklinik setzt außerdem ein spezielles Humortraining ein. 
Wie geht das? Erleben vor theoretisieren, spielen vor diskutieren: Die Psychiater haben einen Spielebaukasten entwickelt, der im Gruppentraining eingesetzt wird. Ziel ist Begriffe weiterzugeben, von Person zu Person mit schnellen spontanen Reaktionen bis Gelächter ausbricht. Beim Lachen ist Angst nicht mehr spürbar. Und das sei erlernbar und schützt vor Angst ohne Substrat. Lachen Sie die Angst weg!

 

bezieht sich auf : „Wie man es schafft, krankhafte Angst zu überwinden“ WAZ 20.11.2017