Informelles

Emmerson, Lake & Palmer

20. Mai 2019

Seit 2016 druckse ich schon herum mit diesem Beitrag. In dem Jahr sind Keith Emmerson und Greg Lake verstorben und das Schicksal und die Erkrankung von Keith Emmerson wollte ich auf meiner Website nachzeichnen.
Er litt an einer fokalen Dysthonie (FD), die ihm über die Jahre das Musizieren immer schwerer werden ließ, ab 2009 sagte er alle Konzerte ab. 2016 beging er Selbstmord.
Was ist eine FD?
Es ist eine neurologische Erkrankung, bei der sich Muskeln verkrampfen oder nicht mehr willkürlich bewegt werden können.
In der milden Form kennen wir das als „Schreibkrampf“, wenn man zu lang und zuviel mit der Hand geschrieben hat. Häufig in der Vorbereitung vor großen Prüfungen (regelmäßig in meiner Praxis im Frühjahr vor dem Abitur).
Was für Studierende und Lernende lästig ist (man schüttelt die Hände aus und macht Pause und irgendwann ist ja auch die Prüfung bestanden), ist für Musiker eine Katastrophe.

Wenn auch nur ein Finger nicht mehr mitmacht, ist der Musiker nicht mehr zu gebrauchen. Können Sie sich das vorstellen? Der kleine Finger soll angesteuert werden und der Ringfinger bewegt sich. Schlimm genug für improvisierende Künstler im Blues, Jazz und Rock. Aber eine Zeit lang lässt es sich noch verbergen, man improvisiert um das Problem herum. Völlig unmöglich ist es für Orchestermusiker. Ein falscher Ton kann die Aufführung zerstören. 
Man vermutet eine Störung in den motorischen Steuerungszentren des Gehirns, den Basalganglien.
Früher gab es keine Form der Behandlung. Heute kann man Botulinustoxin spritzen. Sie kennen sicher Botox (die Kurzform) aus der kosmetischen Chirurgie, zum Unterspritzen von Falten, für die glatte Stirn. Nun, hier werden gezielt krampfende Muskeln in den Händen behandelt. 
Außerdem hat eine gezielte krankengymnastische Therapie, das Retraining, gute Erfolge gebracht (auch in Verbindung mit Botox). 
Für Musiker ist die FD als Berufserkrankung durch die Berufsgenossenschaft anerkannt.

 

Das Plattencover der LP Tarkus ist von William Neal und auf meinem Foto ein tolles Graffiti aus Sao Paulo, das ich bei Wikipedia gefunden habe